2024 02 08 NachhaltigeBaustoffe 3

Nachhaltig Bauen

Von Solarpaneelen und grünen Dächern über wassersparende Lösungen im Sanitärbereich bis hin zu umweltfreundlichen Baumaterialien. Das Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz ist weitreichend und erfordert auch in der Baubranche einen Umdenkprozess. Grundsätzlich sollten beim nachhaltigen Planen und Bauen nicht nur Neubauten, sondern auch der Bestand im Fokus stehen. Die Zahl der sanierungsbedürftigen Altbauten ist groß, eine sukzessive energetische Aufrüstung notwendig. In diesem Blogbeitrag konzentrieren wir uns auf das Thema nachhaltige Baustoffe. Mit einer Einführung in umweltfreundliche Materialien in der Immobilienbranche möchten wir Sie bei der Wahl der richtigen Materialien unterstützen.

Bevor wir gezielt auf die einzelnen Materialien eingehen, erhalten Sie einen Überblick über die vielen Vorteile nachhaltiger Baustoffe und ihre Bedeutsamkeit für die Umwelt. Je regionaler die Materialien dabei bezogen werden, umso kürzer die Transportstrecke, umso besser in der Regel der ökologische Fußabdruck.

  1. Ressourcenschonung durch Herstellung aus erneuerbaren oder recycelten Materialien
  2. Energieeffizienz, z.B. aufgrund einer besseren Wärmedämmung
  3. Reduzierung von Abfall durch die Wiederverwertbarkeit nachhaltiger Baustoffe
  4. Umweltbewusste Herstellung durch Reduzierung des Energieverbrauchs, des Ausstoßes von Treibhausgasen und anderer Umweltauswirkungen
  5. Gesundheits- und Umweltaspekte durch Verzicht auf schädliche Chemikalien
  6. Langlebigkeit und Widerstandsfähigkeit

Zertifizierungen

Wie identifizieren Sie ökologische Baustoffe? An ihren Ökosiegeln. Da gibt es z.B. „Der Blaue Engel“, das Nachhaltigkeitslabel Cradle to Cradle (C2C), den DGNB Navigator der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen sowie die Siegel Natureplus, EU Ecolabel und ECO Institut. Hölzer aus verantwortungsvoller und nachhaltiger Forstwirtschaft werden wiederum mit dem FSC-Siegel versehen.

Dämmmaterialien aus natürlichen Ressourcen

Warum dämmen? Die Antwort: Sie senken den Energieverbrauch, erhöhen den Wohnkomfort, wirken steigenden Energiepreisen entgegen, agieren umweltbewusst und steigern nicht zuletzt den Werterhalt Ihrer Immobilie. Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen weisen in der Regel einen niedrigeren Gehalt an chemischen Zusatzstoffen auf bzw. verzichten ganz auf diese. Ein Plus für die Gesundheit der Bewohner und das Raumklima! Im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Gesundheit empfehlen sich besonders Materialien wie Holzweichfasern, Holzspäne, Hanf, Schafwolle, Flachs, Zellulose oder Seegras, um eine Auswahl zu nennen. Sie unterscheiden sich in ihren Eigenschaften hinsichtlich Wärmeleitfähigkeit, Druckfestigkeit, Belastbarkeit, Schallschutz und Verarbeitung bzw. beim Einbau der einzelnen Dämmstoffe.

Dämmstoff Flachs

  • Vorteil: hohe Formbeständigkeit
  • Einsatzbereich: Keine hohe statische Belastung zur Bedingung, Wärmedämmfilz und Dämmplatten zur Wärme- und Schalldämmung, Stopfmaterial zur Trittschalldämmung und zum Ausstopfen von Fugen und Hohlraumen

Dämmstoff Hanf

  • Vorteil: Besonders reißfest, feuchtigkeits- und formbeständig
  • Einsatzbereich: Dämm- und Trittschallplatten aus Fasern für Wände, Decken und Dachbereich, druckbeständige Platten als Wärmedammverbundsystem oder unter dem Estrich, Stopfmaterial für Hohlräume oder Hanfstricke für Fenster- und Türfugen Formularbeginn

Holzfaserdämmung

  • Hergestellt aus Schwach- und Resthölzern von Fichten oder Kiefern
  • Vorteil: wasserdampfdurchlässig, gute Schallschutzeigenschaften, Hitzeschutz
  • Einsatzbereich: von Fußbodendämmplatten über Dämmmatten für leichte Trenn- und Schallschutzwände im Innenbereich bis hin zu Holzfaserdämmplatten für die verputzbare Fassadendämmung und als Dachdämmplatte im Außenbereich

Dämmstoff Kork

  • Vorteil: hohe Wärmespeicherfähigkeit, relativ unempfindlich gegen Feuchtigkeit
  • Einsatzgebiet: Korkplatten als Teil eines Fassadensystems, Dämmkorkplatten zur Trittschalldämmung, loser Korkschrot als Schüttmaterial zur Wärmedämmung in Böden und Decken

Dämmstoff Schafwolle

  • Vorteil: wasserdampfdurchlässig, kurzfristig feuchteresistent
  • Achtung: Mottenschutz erforderlich
  • Einsatzbereich: zur Wärmedämmung von Wänden, Dächern und Decken sowie von Luftkanälen und Heizungsrohren, als Stopfmaterial für Holzkonstruktionen
  • NICHT bei hoher statischer Belastung verwenden

Dämmstoff Schilf

  • Vorteil: hohe Stabilität, trotz Formbarkeit
  • Einsatzbereich: als Putzträger und in Kombination mit Wandheizungen

Dämmstoff Stroh

  • Vorteil: hohe Wärmedämmqualität, Dampfdurchlässigkeit, regional beziehbar
  • Einsatzbereich: In Form von Kleinballen in diversen Konstruktionen

Dämmstoff Zellulose

  • Vorteil: dampfdiffusionsfähig, feuchtigkeitsausgleichend und gut schalldämmend
  • Einsatzbereich: Dämmung von Dachschrägen, Decken und Wänden im Leichtbau

Ökologische Farben und Lacke

Ökologische Farben und Lacke sorgen für ein gesundes Raumklima. Sie unterliegen einer ständigen Qualitätskontrolle. Achten Sie bei der Wahl Ihrer Farben genau auf die Zusammensetzung. Ökologische Farben basieren auf nachwachsenden Rohstoffen oder mineralischen Quellen. Zu den wichtigsten pflanzlichen Inhaltsstoffen von Naturfarben gehören: Carnaubawachs, Dammar, Titandioxid, Leinöl und Drachenblut. Als Naturprodukt müssen ökologische Farben nicht als Sondermüll entsorgt, sondern können einfach kompostiert werden. Denn sie enthalten keine synthetischen Lösungsmittel, Weichmacher oder Formaldehyde! Isoaliphate, Isoparaffine, Acryl, Epoxy oder Polyurethan haben in der Zusammensetzung ökologischer Farben nichts zu suchen.

Recycelte und wiederverwertete Materialien

Recycelte Materialien werden aus alten Produkten oder Abfällen gewonnen und sind damit ein Kernelement der Kreislaufwirtschaft. Dazu gehören u.a. Glas, Kunststoff oder Metall. Für recyceltes Material spricht vor allem der Verzicht auf Neumaterialien. Das ist besonders bei knappen Rohstoffen relevant. Achten Sie bei der Wahl des recycelten Materials auf die Qualität und darauf, dass keine, für die neue Funktion ungeeigneten, Chemikalien erhalten sind.

Nachhaltige Bodenbeläge

Was zeichnet nachhaltige Bodenbeläge aus? Sie sind ökologisch, wirtschaftlich effizient und werden sozial gerecht hergestellt. Dazu gehören Bodenbeläge wie Korkböden, Laminat, Linoleum oder Parkett. Wussten Sie, dass Kork als Material der Zukunft gilt? Der Grund liegt auf der Hand: Es ist ein natürlich nachwachsender Rohstoff, der sich als Vollboden eignet und für den kein Baum gefällt werden muss. Anderes bei Parkett, hier ist es wichtig, darauf zu achten, dass es aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt und entsprechend zertifiziert ist. Linoleum wiederum besteht aus natürlichen Rohstoffen wie Leinöl, Holz- oder Korkmehl, Naturharzen, gemahlenem Kalkstein, Pigmenten und Naturharzen, gut kombinierbar mit Fußbodenheizungen. Als kunststoffarm und vielseitig gilt außerdem Laminat, das sich zu 95 % aus natürlichen Materialien wie Holz, Holzwerkstoffen und Papier zusammensetzt.

Energieeffiziente Fenster und Türen

Oft sind Fenster und Türen energieraubende Schwachstellen. Mit energiesparenden Fenstern geht keine Wärme verloren, sondern sie kommt da an, wo sie gebraucht wird. Welche Verglasung dabei die beste ist, muss im Einzelfall von einem Experten geprüft werden. Nicht immer ist eine Dreifach-Verglasung der beste Weg. Wie gut Ihr Fenster isoliert ist, können Sie mit einem einfachen Trick checken: Halten Sie eine Kerze davor. Zittert die Flamme stark, ist Handlungsbedarf erforderlich. Neben der Wahl der Fenster spielt auch der Rahmen eine Rolle. Mit bis zu 30 % macht er einen erheblichen Teil der Fensterfläche aus und beeinflusst entsprechend die Energieeffizienz. Für eine gute Ökobilanz und eine gute Wärmedämmung empfiehlt sich ein Holzrahmen. Allerdings ist dieser auch kosten- und pflegeintensiver als der klassische Kunststoffrahmen. Informieren Sie sich in diesem Kontext auch über die staatlichen Fördermöglichkeiten.

Nachhaltige Beleuchtungsoptionen

Nachhaltiges Licht steht für eine gute Ökobilanz. LED-Leuchten verursachen beispielsweise über 90 Prozent ihrer gesamten CO2-Emission im Betrieb, lediglich zwei Prozent für ihre Produktion. Wussten Sie, dass eine LED-Außenbeleuchtung nachtaktive Insekten schont? LEDs gelten als energieeffizientestes Leuchtmittel. Ihre Brenndauer beträgt im Vergleich zu der von Energiesparlampen ca. 20.000 versus 10.000 Stunden. Oft entscheidet jedoch auch der Einsatzort über die Wahl der Leuchtmittel, d.h. LED oder Energiesparlampe. Mit einer professionellen Lichtplanung (sowie entsprechender Planungssoftware) kann die Beleuchtung gezielt und bedarfsgerecht eingesetzt werden. Außerdem lassen sich mit modernem Lichtmanagement flexibel unterschiedliche Lichtszenen erzeugen. Helligkeit und Farbe orientieren sich dabei an dem natürlichen Tageslicht und unterstützen so den biologischen Rhythmus des Menschen. Dank einer gezielten Steuerung kann der Energieverbrauch um bis zu 80 % gesenkt werden.

Fördermöglichkeiten

Der Bund unterstützt nachhaltiges Bauen und die unterschiedlichen Maßnahmen, von der neuen Heizung im Keller über einen barrierefreien Hauseingang bis zur Nutzung erneuerbarer Energien, mit unterschiedlichen Förderprogrammen. Diese lassen sich mitunter auch kombinieren, um so die öffentlichen Fördermittel bestmöglich auszuschöpfen. Weitere Infos finden Sie z.B. auf den Seiten der Verbraucherzentrale (https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/energie/foerderprogramme/zuschuesse-fuers-eigenheim-so-finden-sie-das-richtige-foerderprogramm-437459).

Mit wenig Aufwand zu mehr Nachhaltigkeit

Tipps für den Alltag:

  • Energie reduzieren
  • Weniger Plastik in der Küche
  • Wasser bewusst nutzen
  • Wasser aus dem Hahn trinken
  • Mikroplastik vermeiden
  • Hinterfragen: Wo kann ich auf Müll verzichten?
  • Heizung nicht voll aufdrehen
  • Stromverbrauch kontrollieren und reduzieren
  • Nachhaltig produzierte Mode kaufen (Weniger ist mehr!)

Vom energieeffizienten Neubau bis hin zu Bestandsimmobilien mit viel Potenzial: Werfen Sie doch mal einen Blick auf unsere aktuellen Immobilienangebote. Sie interessieren sich speziell für eine Immobilie? Wir sind jederzeit gerne persönlich für Sie da oder vernetzen Sie bei Bedarf mit unseren Energieexperten!