Wer eine Eigentumswohnung kauft, nimmt in der Regel umfangreiche Renovierungsmaßnahmen in Angriff, bevor er einzieht oder diese vermietet. Das erstreckt sich in meist auch auf den Bodenbelag. Alter Teppichboden oder altes Laminat kommt raus, neue Beläge kommen rein, Fliesen werden erneuert. Manch ein Erwerber geht noch weiter und reißt den Estrich raus, um dann eine Fußbodenheizung nebst neuem Estrich einzubauen. – von Rechtsanwalt Dr. Kühnemund, Dr. Hantke & Partner

Das alles muss nicht, aber es kann mit einer Zunahme des Trittschalls verbunden sein, weil z.B. der neue Belag ein geringeres Trittschallverbesserungsmaß hat (darunter versteht man jenen Wert, um den sich die Trittschalldämmung durch den entsprechenden Bodenbelag verbessert). Oder es werden Erwartungen enttäuscht. Der Eigentümer der darunter belegen Wohnung hatte sich vielleicht erhofft, dass es mit dem neuen Estrich auch ein wenig leiser würde, was dann aber nicht geschieht. Es stellt sich dann die Frage, welcher Trittschall geschuldet ist: Ist er einzuhaltende Schallschutz zum Zeitpunkt der Errichtung des Gebäudes maßgeblich, oder der zum Zeitpunkt der Sanierungsmaßnahme?

Mit dem Austausch des Bodenbelages, der ja in der Regel im Sondereigentum steht, hatte sich der BGH bereits im Jahre 2015 letztmalig und umfassend beschäftigt. Wird ein vorhandener Bodenbelag durch einen anderen ersetzt und dabei nicht in den unter dem Belag befindlichen Estrich und die Geschossdecke eingegriffen, richtet sich der zu gewährende Schallschutz grundsätzlich nach der zur Zeit der Errichtung des Gebäudes geltenden Ausgabe der DIN 4109, so der BGH in seiner Entscheidung vom 27.2.2015 (V ZR 73/14). Dem Umstand, dass in der Wohnung des den Bodenbelag ändernden Wohnungseigentümers über einen langen Zeitraum ein Teppichboden mit einem höheren Schallschutz verlegt war, käme für den künftig einzuhaltenden Schallschutz keine Bedeutung zu, es gäbe, keinen allgemeinen Anspruch auf Beibehaltung eines vorhandenen Trittschallschutzes. Ein höheres Schallschutzniveau könne sich nur aus der Teilungserklärung ergeben (was allerdings kaum der Fall sein dürfte). Dass es sich bei einer Wohnanlage um eine besonders hochwertige Anlage handele, also das „Gepräge“ für einen erhöhten Schallschutz spreche, sei ebenfalls nicht ausreichend.

Diese Überlegungen des BGH sind richtig, und der BGH hat sie nun auch auf jene Fälle übertragen, in denen nicht nur der Bodenbelag, sondern auch der Estrich entfernt wird (Urteil vom 16.3.2018 – V ZR 276/16, das bisher nur als Pressemitteilung vorliegt). Dort hatte der beklagte Wohnungseigentümer u.a. im Badezimmer den Estrich vollständig entfernen und eine Fußbodenheizung einbauen lassen. Das Haus war 1990 errichtet, die Arbeiten fanden im Jahr 2012 statt. Der Eigentümer der darunter liegenden Wohnung war der Ansicht, der Schallschutz habe sich durch die Arbeiten verschlechtert. Er verlangte die Herstellung des Schallschutzes auf dem Niveau der VDI-Richtlinie 4100 aus dem Jahre 2012.

Dem hat der BGH jedenfalls für diese Art der Arbeiten eine Absage erteilt. Dabei ging der BGH zunächst davon aus, dass der Estrich auch der Dämmung und Isolierung diene und damit Gemeinschaftseigentum sei. In dieses habe der Eigentümer unzulässig eingegriffen, er müsse dieses also auch ordnungsgemäß wieder herstellen. Die Frage war nur, auf welchem Schallschutzniveau? Stand 2012 oder auf Basis der zum Zeitpunkt der Errichtung geltenden DIN 4109 aus dem Jahre 1989? Allein aus dem Umstand, dass bei Renovierungsarbeiten in das gemeinschaftliche Eigentum eingegriffen wird, ergibt sich nach Ansicht des BGH kein überzeugender Grund dafür, dass die im Zeitpunkt der Maßnahme anerkannten Schallschutzwerte maßgeblich sein sollen. Ein Wohnungseigentümer, der Eingriffe in das Gemeinschaftseigentum vornimmt, ist im Grundsatz zwar zu dessen Wiederherstellung, aber nicht zu einer „Ertüchtigung“ verpflichtet. Er muss also nur den Schallschutz herstellen, der zum Zeitpunkt der Errichtung des Gebäudes geschuldet war.

Anders, so der BGH, kann es aber aussehen, wenn es sich nicht um Renovierungsarbeiten handelt, sondern z.B. um den Ausbau eines Dachgeschosses. Nach Ansicht des BGH richtet es sich nach dem Gewicht des Eingriffs in die Gebäudesubstanz, ob die im Zeitpunkt der Baumaßnahme geltenden technischen Anforderungen an den Schallschutz einschlägig sind. Wird nämlich, z.B. durch einen nachträglichen Dachgeschossausbau, in erheblichen Umfang in die Gebäudesubstanz eingegriffen, entstünde bei den übrigen Wohnungseigentümern die berechtigte Erwartung, dass bei dem Umbau des Sonder- und des Gemeinschaftseigentums insgesamt die aktuellen technischen Vorgaben und damit auch die nunmehr geltenden Schallschutzwerte beachtet würden.

Auch das macht Sinn. Schafft ein Eigentümer durch einen Ausbau etwas „Neues“, dann muss er auch die zum Zeitpunkt des Ausbaus geltenden Schallschutznormen beachten. Setzt er dagegen etwas Altes instand oder „erneuert“ es, dann muss der sich nur an den zum Zeitpunkt der Errichtung des Gebäudes geltenden Normen orientieren.

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Der Bundesfinanzhof (BFH) hat in seinem Urteil vom 10. Oktober 2017 entschieden, dass Aufwendungen für eine neue Eigentumswohnung in einem Sanierungsgebiet grundsätzlich begünstigungsfähig sind, soweit sie auf den Altbaubestand des Gebäudes entfallen und die Voraussetzungen für erhöhte Absetzungen erfüllt sind.

Im Streitfall erwarben die Kläger eine Eigentumswohnung (ETW) in einem Altbau. Der Bauträger des betreffenden Gebäudes sanierte das denkmalgeschützte Gebäude, auf welches die erworbene ETW als neues Geschoss aufgebaut wurde. Das Gemeinschaftseigentum wurde modernisiert und saniert und zählte zur Altbausubstanz. Das zuständige Bezirksamt stellte bezüglich der Altbausubstanz eine Bescheinigung über Aufwendungen i.S.v. § 7h EStG (erhöhte Absetzungen) aus. Die Kläger machten in ihrer Steuererklärung sowohl für die neu gebaute ETW als auch für das Gemeinschaftseigentum, welches sich auf die Altbausubstanz bezog, erhöhte Absetzungen geltend. Das Finanzamt und das Finanzgericht lehnten die erhöhten Absetzungen mit der Begründung ab, dass die ETW als Neubau nicht zu erhöhten Absetzungen berechtige.

Voraussetzung für die Inanspruchnahme der erhöhten Absetzungen ist die Belegenheit eines inländischen Gebäudes in einem sog. Sanierungsgebiet bzw. einem städtebaulichen Entwicklungsbereich oder das Vorliegen von Modernisierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen zur Erhaltung der funktionsgerechten Verwendung (insb. von denkmalgeschützten Gebäude), zu denen sich der Eigentümer gegenüber der Gemeinde verpflichtet hat. Zudem ist eine Bescheinigung der entsprechenden Gemeindebehörde über die zuvor genannten Voraussetzungen notwendig. Werden alle Voraussetzungen erfüllt, können für das Jahr der Herstellung und die folgenden sieben Jahre erhöhte Absetzungen in Höhe von bis zu 9 % und für die folgenden vier Jahre in Höhe von bis zu 7 % geltend gemacht werden.

Der BFH hat klargestellt, dass auch für Aufwendungen für eine ETW die Begünstigung in Frage kommt, soweit sie den Altbaubestand betreffen. Die Bescheinigung als Grundlagenbescheid sei für das Finanzamt bindend und betreffe auch das Objekt „ETW“. Es sei unschädlich, wenn die Instandsetzungen nur das Gemeinschaftseigentum und nicht das Sondereigentum betreffen. Existierte das anteilige Gemeinschaftseigentum bereits, war die ETW grundsätzlich auch vorhanden und könne daher begünstigt sein. Das Dachgeschoss sei nicht vollständig Sondereigentum, sondern zähle insbesondere mit dem Dach, der Geschossdecke und den tragenden Wänden zum Gemeinschaftseigentum und sei als Neubau nicht begünstigt.

Praxishinweis: Wird das Objekt nicht vermietet, sondern eigengenutzt, sind die Aufwendungen unter bestimmten Voraussetzungen im Jahr der Herstellung und in den folgenden neun Jahren jeweils in Höhe von bis zu 9 % wie Sonderausgaben abzugsfähig.

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Die CDU/CSU und die SPD haben sich am 7. Februar 2018 auf einen Koalitionsvertrag für eine neue Große Koalition geeinigt. Im Folgenden geben wir einen Überblick über die wichtigsten steuerlichen Änderungen im Immobilienbereich. – von Jens Scharfenberg, Möhrle Happ Luther

Sonderabschreibung

Durch die Einführung einer bis zum Ende des Jahres 2021 befristeten Sonderabschreibung sollen steuerliche Anreize für den freifinanzierten Wohnungsneubau im bezahlbaren Mietsegment geschaffen werden. Die Sonderabschreibung soll zusätzlich zur linearen Abschreibung über vier Jahre fünf Prozent pro Jahr betragen. 2020/21 sollen 2 Mrd. Euro in den sozialen Wohnungsbau fließen.

Baukindergeld

Die Eigentumsbildung für Familien bei erstmaligen Erwerb von Neubau oder Bestand soll durch die Einführung eines Baukindergeldes gefördert werden. Das Baukindergeld i. H. v. EUR 1.200 pro Kind und pro Jahr soll über einen Zeitraum von zehn Jahren gezahlt werden. Allerdings soll es auf eine Einkommensgrenze von EUR 75.000 zu versteuerndem Haushaltseinkommen pro Jahr und zusätzlich EUR 15.000 pro Kind beschränkt werden.

Grundsteuer

Zurzeit beschäftigt sich das Bundesverfassungsgericht mit der derzeitigen Regelung der Grundsteuer und wird voraussichtlich im Frühjahr/Sommer 2018 über die Verfassungsmäßigkeit der Grundsteuer entscheiden. Die Grundsteuer ist für die Kommunen eine wichtige Einnahmequelle. Daher soll die Grundsteuer unter Beachtung der Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts, der Sicherung des derzeitigen Aufkommens sowie unter Beibehaltung des kommunalen Hebesatzrechtes neu geregelt werden. Zusätzlich wird eine neue Grundsteuer C geplant, um die Verfügbarmachung von bebaubaren Grundstücken für Wohnzwecke zu verbessern. Ganz neu ist die Grundsteuer C nicht, da es bereits in den Jahren 1961 und 1962 eine Grundsteuer C (sogenannte Baulandsteuer) gegeben hat. Zudem soll die Erstzugriffsoption der Kommunen auf Flächen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) auf alle entbehrlichen Liegenschaften des Bundes ausgedehnt werden.

Grunderwerbsteuer

Durch eine effektive und rechtssichere gesetzliche Regelung soll die „missbräuchliche“ Steuergestaltung bei der Grunderwerbsteuer mittels Share Deals beendet werden. Außerdem soll die Einführung eines Freibetrags für den erstmaligen Erwerb von Wohngrundstücken für Familien bei der Grunderwerbsteuer geprüft werden.

Mietreform

Der Bindungszeitraum für einen qualifizierten Mietspiegel soll von zwei auf drei Jahre verlängert und der Betrachtungszeitraum über die letzten vier Jahre hinaus erweitert werden. Die Mietpreisbremse wird 2018 evaluiert. Verschärft wird sie durch eine Auskunftspflicht des Vermieters zur Vormiete. Die Modernisierungsumlage soll von 11 % auf 8 % sinken und der daraus folgende Mietanstieg maximal 3 Euro/m2 in sechs Jahren betragen.

Gebäudesanierung

Die energetische Gebäudesanierung soll steuerlich gefördert werden – alternativ bezuschusst. Zudem ist geplant, „die Vorschriften der Energieeinsparverordnung, des Energieeinspargesetzes und des Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzes in einem modernen Gebäudeenergiegesetz zusammenführen“.

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Lebhaft wird in Hamburg über die Initiative des Nabu „Hamburgs Grün erhalten“ diskutiert. Dr. Claas Kießling betont, dass Einschränkungen beim Wohnungsbau zu steigenden Mieten führen.

Seit dem 1. Dezember 2017 können sich die Hamburger an der Volksinitiative des Nabu „Hamburgs Grün erhalten“ beteiligen. Die zu unterschreibende Forderung laut: „Ich fordere Bürgerschaft und Senat auf, darauf hinzuwirken, den Anteil des Grüns in Hamburg zu erhalten.“ Dabei geht es um gemeinsames Grün, wie Natur- und Landschaftsschutzgebiete, Kleingärten, Friedhöfe, Parks oder Wälder. Erhalten werden soll der zum 1. Juni 2018 bestehende Anteil an der Hamburger Fläche.

Hamburg wächst und benötigt Wohnraum

„Hamburg zählt zu den relativ wenig verdichteten Städten“, erklärt Dr. Claas Kießling dazu. „Die Zuwanderung hält an, selbst wenn weniger Wohnungen gebaut werden. Das führt zu steigenden Wohnungskosten, aufgrund derer einkommensschwache Mitbürger Hamburg verlassen müssten.“
Kießling unterstreicht, dass die Chancen der Nachverdichtung und Aufstockung prioritär im Fokus stehen sollten. „Doch ohne große neue Wohnquartiere, wie Oberbillwerder, kann die Nachfrage nicht annähernd gedeckt werden.“

In Hammerbrook entsteht der SonninPark. Über 800 Wohnungen säumen einen 17.000 m2 großen, öffentlichen Park. Wentzel Dr. ist mit der Vermietung und Verwaltung von 303 auf der Ostseite des Parks entstehenden Wohnungen betraut. Wenn die Musterwohnung im Juni fertig ist, startet der Vertrieb.

„Das ist ein Wohngefühl, das Sie in der Innenstadt selten haben“, wirbt Dr. Claas Kießling für das Projekt SonninPark in Hammerbrook. Seine Begeisterung gilt vor allem der Lage am Park. 2014 hatten die 03 Architekten aus München den städtebaulichen Wettbewerb gewonnen.

Wohnräume zum Park

Die über 800 Wohnungen rahmen einen 17.000 m2 großen, grünen Hof, von dem 12.000 m2 nach einem Entwurf der grabner huber lipp Landschaftsarchitekten als öffentlicher Park entwickelt werden. Kießling: „Mir fällt kein Neubauprojekt in ähnlich zentraler Lage ein, bei dem Sie diesen Blick haben.“ Wentzel Dr. ist für einen institutionellen Investor mit der Vermietung und Verwaltung der 303 frei finanzierten Mietwohnungen auf der Ostseite des Parks betraut. Die Erschließung der Wohnungen erfolgt seitens des Nagelswegs, so dass Wohn- und Schlafzimmer sowie die Balkone zum Park orientiert sind – und zur Abendsonne.

Einzug zum 1. Dezember

Neun Hauseingänge erschließen die Wohnungen vom Nagelsweg aus, der von einer sehr ausdifferenzierten, abwechselungsreichen Fassadenstruktur flankiert wird. Für die Architekturentwürfe zeichnen die Hamburger KBNK Architekten sowie 03 Architekten aus München verantwortlich. Die ersten 100 Wohnungen des 208 Wohnungen umfassenden ersten Bauabschnitts werden zum 1. Dezember fertiggestellt. Die Musterwohnung kann spätestens im Juni besichtigt werden, womit dann auch die Vermietung startet. Die Mieten werden im Mittel über 15 Euro/m2 liegen. Neben einer Wohnung mit 150 m2 sowie einigen Wohnungen mit nur 28 m2 werden vor allem Zweizimmer- (55 – 60 m2) und Dreizimmerwohnungen (75 – 85 m2) mit sehr kompakten Grundrissen angeboten. 122 Tiefgaragenplätze stehen den Mietern zur Verfügung. Das Gesamtprojekt wird von Aug. Prien realisiert – als Entwickler und Generalunternehmer.

Der Sonninpark von oben. Vorne rechts der Nagelsweg. Bild www.moka-studio.com

Die internationale Immobilienmesse Mipim ist in den vergangenen Jahren immer mehr zu einer Präsentationsplattform für zum Teil wegweisende, aber in jedem Fall große Stadtentwicklungsprojekte geworden. Und da hat auch Hamburg einige Themen auf der Agenda.

Hatte der Himmel vor der Eröffnung der Messe noch gegrollt und mit sinnflutartigem Regen einige Unterführungen unter Wasser gesetzt, strahlte die Sonne am ersten Tag der Mipim, wie man es von Cannes erwartet. So fanden die meisten Gespräche der 25 Hamburger Standpartner denn auch oft auf der geschwungenen Terrasse zum Hafen statt.

Elbtower im Mittelpunkt des Hamburgstands

Den Mittelpunkt des 120 m2 großen Hamburg-Standes bildete in diesem Jahr ein Modell des Elbtowers. Sowohl beim Empfang der HafenCity Hamburg, als auch bei seinen Vorträgen auf den Ständen etwa von Amsterdam und Marseille, stellte Jürgen Bruns-Berentelg den 235-m-Skyscraper vor. Den Kontext bildete die Entwicklung eines neuen Innenstadtentrees an den Elbbrücken – am Schnittpunkt der Stadtentwicklungsprojekte Hafencity, Kleiner Grasbrook und Billebogen, die einen insgesamt 250 ha großen Transformationsraum in Citynähe bilden. Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt gab beim HafenCity-Empfang einen Abriss der zahlreichen Hamburger Stadtentwicklungsprojekte – neben den genannten, etwa die Mitte Altona, die durch den Bau der A-7-Deckel entstehenden Entwicklungsflächen, die Baugebiete in Wilhelmsburg, die auf der bisherigen Achse der Wilhelmsburger Reichsstraße entstehen, und natürlich Oberbillwerder.

Austausch mit Kopenhagen, Amsterdam und Barcelona

Stapelfeldt traf sich zum Abendessen mit Ninna Hedeager Olsen, der Bürgermeisterin für Technik und Umwelt in Kopenhagen. Mit Bruns-Berentelg erläuterte sie zudem Patrick Devedjian die Entwicklung der Hafencity und speziell die Rolle der Elbphilharmonie. Der Franzose ist nicht nur Leiter einer Institution zur Entwicklung des bekannten, modernen Pariser Büro- und Geschäftsviertels La Défense, sondern war auch verantwortlich für die Realisierung des 2017 fertiggestellten Kulturzentrums La Seine Musicale – mit 170 Mio. Euro jedoch preiswerter, als die Elbphilharmonie. Rolf Strittmatter, Geschäftsführer der Hamburg Invest (früher: HWF), war zudem am Stand von Barcelona im Gespräch über den Aufbau einer Wirtschaftsförderung für die Metropolregion. Mit Vertretern von Amsterdam diskutierte er über Strategien zur Ansiedlung von Hotels. „Für europäische Städte hat sich die Mipim als Plattform etabliert.“

Stapelfeldt, Bruns-Berentelg und Elbtower.

  Der Hamburger Stand misst 120 m2, wie im Vorjahr.

Auf den Yachten im Hafen von Cannes wurden die Gespräche fortgesetzt.

Es sind große Schuhe, die Jörn Walter dem neuen Oberbaudirektor Franz-Josef Höing hinterlässt. Doch der im Münsterland augewachsende Höing hinterlässt im Gespräch nicht den Eindruck, dass ihn die Schuhgröße ängstigt – schließlich hat er als Dezernent für Stadtentwicklung zuvor fünf Jahre in Köln gearbeitet.

Zum Auftakt des Gesprächs mit dem neuen Hamburger Oberbaudirektor Franz-Josef Höing geht es um die Diskussion um den Flächenverbrauch – auch im Kontext mit der Volksinitiative „Hamburgs Grün erhalten“. Der Nabu will erreichen, dass der Flächenanteil der Grünflächen in Hamburg zum 1. Juni 2018 eingefroren wird.

Hinterlassen keine verbrannte Erde

„Wir haben in den vergangenen Monaten so viel von Flächenverbrauch gehört. Als würden wir mit Stadtentwicklung verbrannte Erde hinterlassen. In allen Stadtentwicklungsprojekten – und das sollte man zur Kenntnis nehmen – entstehen hochwertig gestaltete Freiräume in einer angemessenen Dimension.“ Prominente Beispiele seien der Lohse-Park in der Hafencity, aber auch der Park, der künftig die Neue Mitte Altona mit den Holstenquartieren verknüpfe. Gleichzeitig gibt es die Kritik – etwa mit Blick auf die Mitte Altona – einer zu hohen Verdichtung. „Dort sind bereits schöne Häuser entstanden, das Quartier ist gut proportioniert und durch einen sehr normalen großstädtischen Maßstab geprägt. Es ist überhaupt nicht zu dicht.“ Und dazu trage wiederum der große Park bei.

Zufallsproduktion beenden

Mehr Dichte und Gestaltung erwartet der studierte Raumplaner von der Entwicklung der Ausfallstraßen. „Die Magistralenentwicklung finde ich hochinteressant und extrem wichtig. Sie sind nicht nur Verkehrswege, sondern auch Rückgrat der anliegenden Stadtteile.“
Die Zahl von 100.000 Wohnungen mahnt Höing, nicht zu ernst zu nehmen. „Das ist nur eine Zahl, die eindrücklich illustriert, wie wichtig diese Lagen sind. Da haben wir bis jetzt das eine oder andere abgestellt und uns sehr auf den Verkehr konzentriert.“ Man müsse nun aus der „Zufallsproduktion“ rauskommen und „ein Bild von diesen Räumen erzeugen.“

Stadtentwicklung in Bramfeld

Als Beispiel nennt Höing das Quartier Moosrosenweg, das mit 1.200 Wohnungen gegenüber der Otto-Zentrale an der Bramfelder Chaussee auf einem Otto-Parkplatz sowie einer Vattenfall-Fläche entstehen soll. „Wir haben ein ganz wunderbares städtebauliches Konzept gekürt, mit ruhigen, großen und zusammenhängenden, grünen Wohnhöfen sowie einem rautenförmigen Park. Das ist zwar nicht spektakulär, zeigt aber, dass man auf einer solch vergleichsweise kleinen Fläche Stadtentwicklung betreiben kann.“ Und Stadtentwicklung, das betont Höing, heißt nicht nur Wohnungsbau. „Wir denken ebenso an hochwertige, neue Dienstleistungsstandorte an Knotenpunkten von ÖPNV und Magistralen.“ Entgegen dem Trend in die City betont der Stadtplaner die Zielstellung einer Dezentralisierung von Bürostandorten.

Urbanität auch jenseits der City

Er verweist auf die Entwicklungen in der City Nord in jüngster Zeit. „Aber auch das Umfeld des Diebsteichs ist bislang alles andere, als ein Bürostandort, kann aber einer werden, wenn er durch den Fern- und Regionalbahnhof an Zentralität gewinnt.“ Die Urbanität, die für Unternehmen und Mitarbeiter interessant sei, „gibt es nicht nur in der City, sondern auch im Harburger Binnenhafen. Auch dort entwickelt sich noch einiges an Lagen und Projekten.“Hamburg müsse ein differenziertes Büroflächenangebot haben. „Auch an einem Standort, wie Oberbillwerder denken wir darüber nach, 4.000 bis 5.000 Arbeitsplätze anzusiedeln – nicht nur Büroarbeitsplätze.“ Auf die Kritik zum Bauen auf der grünen Wiese, wie in Oberbillwerder, verweist Höing auf den Nachfragedruck, dem im Bestand im erforderlichen Umfang nicht begegnet werden könne. „Dieses Bauen am Rande der Stadt steht wieder auf der Tagesordnung – nicht exzessiv, aber an ein paar Stellen.“

Hamburg traut sich

Höing sieht Hamburg da bundesweit vorn. „Die Stadt traut sich, so eine Aufgabe überhaupt wieder zu diskutieren und zu planen.“ Und es sei eine schwierigere Aufgabe, in den Marschen zu bauen, als in der gewachsenen Stadt, so der Oberbaudirektor. „Was ist das richtige Maß? Über welchen Höhen reden wir, über welchen Charakter? Die Dänen haben immer auch die Auseinandersetzung mit der Landschaft zum Thema und können virtuos damit umgehen. Im Mai werden wir auch zu Oberbillwerder den städtebaulichen Fußabdruck haben.“ Und sonst? Die Weiterentwicklung der Siedlungen aus den 1950er bis 1970er Jahren. „Das wird uns die nächsten 10 bis 20 Jahre beschäftigen.“

Den Harburger Binnenhafen zählt Höing zu den Quartieren mit einigem, weiteren urbanem Potenzial.