Es sind große Schuhe, die Jörn Walter dem neuen Oberbaudirektor Franz-Josef Höing hinterlässt. Doch der im Münsterland augewachsende Höing hinterlässt im Gespräch nicht den Eindruck, dass ihn die Schuhgröße ängstigt – schließlich hat er als Dezernent für Stadtentwicklung zuvor fünf Jahre in Köln gearbeitet.

Zum Auftakt des Gesprächs mit dem neuen Hamburger Oberbaudirektor Franz-Josef Höing geht es um die Diskussion um den Flächenverbrauch – auch im Kontext mit der Volksinitiative „Hamburgs Grün erhalten“. Der Nabu will erreichen, dass der Flächenanteil der Grünflächen in Hamburg zum 1. Juni 2018 eingefroren wird.

Hinterlassen keine verbrannte Erde

„Wir haben in den vergangenen Monaten so viel von Flächenverbrauch gehört. Als würden wir mit Stadtentwicklung verbrannte Erde hinterlassen. In allen Stadtentwicklungsprojekten – und das sollte man zur Kenntnis nehmen – entstehen hochwertig gestaltete Freiräume in einer angemessenen Dimension.“ Prominente Beispiele seien der Lohse-Park in der Hafencity, aber auch der Park, der künftig die Neue Mitte Altona mit den Holstenquartieren verknüpfe. Gleichzeitig gibt es die Kritik – etwa mit Blick auf die Mitte Altona – einer zu hohen Verdichtung. „Dort sind bereits schöne Häuser entstanden, das Quartier ist gut proportioniert und durch einen sehr normalen großstädtischen Maßstab geprägt. Es ist überhaupt nicht zu dicht.“ Und dazu trage wiederum der große Park bei.

Zufallsproduktion beenden

Mehr Dichte und Gestaltung erwartet der studierte Raumplaner von der Entwicklung der Ausfallstraßen. „Die Magistralenentwicklung finde ich hochinteressant und extrem wichtig. Sie sind nicht nur Verkehrswege, sondern auch Rückgrat der anliegenden Stadtteile.“
Die Zahl von 100.000 Wohnungen mahnt Höing, nicht zu ernst zu nehmen. „Das ist nur eine Zahl, die eindrücklich illustriert, wie wichtig diese Lagen sind. Da haben wir bis jetzt das eine oder andere abgestellt und uns sehr auf den Verkehr konzentriert.“ Man müsse nun aus der „Zufallsproduktion“ rauskommen und „ein Bild von diesen Räumen erzeugen.“

Stadtentwicklung in Bramfeld

Als Beispiel nennt Höing das Quartier Moosrosenweg, das mit 1.200 Wohnungen gegenüber der Otto-Zentrale an der Bramfelder Chaussee auf einem Otto-Parkplatz sowie einer Vattenfall-Fläche entstehen soll. „Wir haben ein ganz wunderbares städtebauliches Konzept gekürt, mit ruhigen, großen und zusammenhängenden, grünen Wohnhöfen sowie einem rautenförmigen Park. Das ist zwar nicht spektakulär, zeigt aber, dass man auf einer solch vergleichsweise kleinen Fläche Stadtentwicklung betreiben kann.“ Und Stadtentwicklung, das betont Höing, heißt nicht nur Wohnungsbau. „Wir denken ebenso an hochwertige, neue Dienstleistungsstandorte an Knotenpunkten von ÖPNV und Magistralen.“ Entgegen dem Trend in die City betont der Stadtplaner die Zielstellung einer Dezentralisierung von Bürostandorten.

Urbanität auch jenseits der City

Er verweist auf die Entwicklungen in der City Nord in jüngster Zeit. „Aber auch das Umfeld des Diebsteichs ist bislang alles andere, als ein Bürostandort, kann aber einer werden, wenn er durch den Fern- und Regionalbahnhof an Zentralität gewinnt.“ Die Urbanität, die für Unternehmen und Mitarbeiter interessant sei, „gibt es nicht nur in der City, sondern auch im Harburger Binnenhafen. Auch dort entwickelt sich noch einiges an Lagen und Projekten.“Hamburg müsse ein differenziertes Büroflächenangebot haben. „Auch an einem Standort, wie Oberbillwerder denken wir darüber nach, 4.000 bis 5.000 Arbeitsplätze anzusiedeln – nicht nur Büroarbeitsplätze.“ Auf die Kritik zum Bauen auf der grünen Wiese, wie in Oberbillwerder, verweist Höing auf den Nachfragedruck, dem im Bestand im erforderlichen Umfang nicht begegnet werden könne. „Dieses Bauen am Rande der Stadt steht wieder auf der Tagesordnung – nicht exzessiv, aber an ein paar Stellen.“

Hamburg traut sich

Höing sieht Hamburg da bundesweit vorn. „Die Stadt traut sich, so eine Aufgabe überhaupt wieder zu diskutieren und zu planen.“ Und es sei eine schwierigere Aufgabe, in den Marschen zu bauen, als in der gewachsenen Stadt, so der Oberbaudirektor. „Was ist das richtige Maß? Über welchen Höhen reden wir, über welchen Charakter? Die Dänen haben immer auch die Auseinandersetzung mit der Landschaft zum Thema und können virtuos damit umgehen. Im Mai werden wir auch zu Oberbillwerder den städtebaulichen Fußabdruck haben.“ Und sonst? Die Weiterentwicklung der Siedlungen aus den 1950er bis 1970er Jahren. „Das wird uns die nächsten 10 bis 20 Jahre beschäftigen.“

Den Harburger Binnenhafen zählt Höing zu den Quartieren mit einigem, weiteren urbanem Potenzial.