Am 11. Januar wird die Elbphilharmonie mit dem ersten öffentlichen Konzert abschließend eröffnet. Bereits seit November sind die öffentliche Aussichtsetage Plaza, das Fünf-Sterne-Hotel Westin sowie die Gastronomie Störtebeker Hamburg öffentlich zugänglich. Die Fertigstellung schafft einen positiven Schub in der internationalen Wahrnehmung und für die weitere Entwicklung der Hafencity.

Journalisten tun sich schwer mit der positiven Betrachtung eines lange im Fokus der Kritik stehenden Mega-Bauvorhabens, wie der Elbphilharmonie. Denn es war – wie Stuttgart 21 und der Flughafen Berlin Brandenburg es noch sind – ein Abziehbild für das Versagen öffentlicher Planungsinstitutionen, der Raffgier von Baukonzernen und der Verantwortungslosigkeit politischer Entscheidungsträger.
Und doch ist das Presseecho nach der Eröffnung der öffentlichen Aussichtsebene Plaza Anfang November nahezu durchgehend von Respekt und Bewunderung für das fertiggestellte Jahrhundertbauwerk geprägt.

Zuständigkeitschaos war teuer

Die Gesamtkosten des 865-Mio.-Euro-Projektes für die Stadt Hamburg liegen bei 789 Mio. Euro. Darauf hatten sich die Stadt Hamburg, Hochtief und die Architekten Herzog & de Meuron im November 2012 geeinigt. Hochtief hatte sämtliche Planungs- und Baurisiken übernommen und die Fertigstellung nach Maßgabe der Architekten sowie des Akustikers Yasuhisa Toyota termingerecht umgesetzt. Hamburg hatte für diese klare Zuständigkeitstrennung noch einmal 257 Mio. Euro investiert. Der Erste Bürgermeister Olaf Scholz erklärte bei der Einweihung der Plaza, ohne das Zuständigkeits- und Planungschaos vor 2012 hätten die Kosten für die Stadt bei 500 Mio. bis 600 Mio. Euro liegen können.

International wahrgenommene Landmark

Nun hat Hamburg einen weltweit einmaligen, in 50 m Höhe aufgehängten Konzertsaal mit 2.100 Sitzplätzen – keiner mehr als 30 m vom Dirigenten entfernt. Wenn die aus 11.000 individuell gefrästen Gipsfaserplatten bestehende „weiße Haut“ des Großen Saal die erwartete brillante Akustik schafft, dann kann die Elbphilharmonie international eine ähnliche Aufmerksamkeit erfahren, wie die Oper in Sidney – bekanntermaßen auch deutlich teurer und langsamer entstanden, als erwartet.
Für Hamburg und die Hafencity kann die Elbphilharmonie dann der Leuchtturm werden, der er schon immer sein sollte. Ein Besuch der Elbphilharmonie wird zum obligatorischen Besuchsprogramm jedes Hamburg-Touristen werden. Vom Strom der Besucher werden Gastronomie und Hotellerie – besonders im Umfeld – profitieren.

Mehr Frequenz in der Hafencity

Auch Unibail-Rodamco kalkuliert sicherlich mit zahlreichen Kunden, die mit dem Besuch der Elbphilharmonie auch eine Shoppingtour durch die für Einzelhandel und Gastronomie vorgesehenen über 80.000 m2 im südlichen Überseequartier verbinden.
Wichtig für die Atmosphäre in der westlichen Hafencity wird sein, ob es tatsächlich gelingt, die Besucher vor allem durch U-Bahn, Busse, die Hadag-Fähren, per pedes oder mit dem Fahrrad in die Hafencity zu bringen. Allerdings wird mit dem Bau des südlichen Überseequartiers 2021 die Tiefgarage mit 3.400 Stellplätzen fertiggestellt.
Mit der Einweihung der Elbphilharmonie wird zudem endgültig der Strandkai vis-á-vis zur Bebauung frei. Hier entstehen über 500 Wohnungen, darunter 180 hochpreisige Eigentumswohnungen. Die stärkere internationale Wahrnehmung kann die Wohnungspreise und –mieten in der ganzen Hafencity zusätzlich beflügeln. Schon jetzt ist das Projekt Skyliving mit 44 Eigentumswohnungen in den oberen Etagen der Elbphilharmonie mit einem Durchschnittspreis von 25.000 Euro/m2 das deutlich teuerste Wohnprojekt in Hamburg.