Der Bundesfinanzhof (BFH) hat in seinem Urteil vom 29. Mai 2018 entschieden, dass ein Wechsel von der bisher genutzten degressiven Abschreibung zur AfA nach der tatsächlichen Nutzungsdauer eines Gebäudes nicht möglich ist. – von Rechtsanwalt Jens Scharfenberg, MÖHRLE HAPP LUTHER

Im Urteilsfall hatte die Klägerin ein im Jahr 1994 bebautes Grundstück an das Unternehmen des Ehemannes vermietet. Die Klägerin nahm hierfür für die Jahre 1994 bis 2008 die degressive AfA in Anspruch bei der die Abschreibungssätze anfangs hoch sind und im Laufe der Zeit sinken. Im Jahr 2009 wurde das Gebäude um einen Anbau erweitert. Im Jahr 2009 begehrte die Klägerin die AfA nach der tatsächlichen Nutzungsdauer des Gebäudes, da die voraussichtliche Nutzungsdauer nunmehr weniger als 50 Jahre betrug und berücksichtigte die AfA auf Basis des Gebäuderestwertes zum Ende des Jahres 2008 zuzüglich der nachträglichen Anschaffungskosten für den Anbau für die verbleibende Restnutzungsdauer von zehn Jahren. Das Finanzamt lehnte die AfA nach der tatsächlichen Nutzungsdauer ab.

Bei Gebäuden beträgt die jährliche AfA 2 % der Anschaffungs- oder Herstellungskosten, die als Werbungskosten berücksichtigungsfähig sind. Beträgt die tatsächliche Nutzungsdauer weniger als 50 Jahre, kann alternativ die AfA anhand der tatsächlichen Nutzungsdauer bemessen werden. Anstelle der AfA in Höhe von 2 % jährlich kann die degressive AfA gewählt werden, die durch sinkende Abschreibungsbeträge charakterisiert ist.

Ein Übergang von der degressiven AfA zur Abschreibung nach der tatsächlichen Nutzungsdauer ist nach Auffassung des BFH nicht möglich. Bei der degressiven AfA werde typisierend eine Nutzungsdauer des Gebäudes von 50 Jahren angenommen, wodurch die Feststellung der tatsächlichen Nutzungsdauer hinfällig sei. Die Typisierung der Nutzungsdauer von 50 Jahren sei eine Rechtsvereinfachung, die für die gesamte Nutzungsdauer Bindungswirkung entfalte. Die Wahl der degressiven AfA sei somit nicht revidierbar.

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